Ein Artikel aus der Abendzeitung München vom 2. August 1993:
Macho-Rituale im Nebeldunst: Szene aus "The Sweatlodge" von Philip Mackenzie / Simon Thorne,
getanzt von der Gruppe Man Act
Man(n) ist ein Raubtier und wackelt mit den Hüften
Bewegungstheater: Gruppe Man Act in der Muffathalle
Man Act - eine internationale Truppe mit Tänzern aus Deutschland, der Schweiz, Österreich
und Grossbritannien - zeigte in der Muffathalle das Bewegungstheater für 16 Männer
"The Sweatlodge" aus der Choreographen- und Regiefeder von Philip Mackenzie und Simon Thorne.
Musik: Nic Murcott & Chris Vine.
Macho-Gehabe im Nebeldunst: lauernd stehen die (Bieder-)Männer an der Wand. Gehüllt in
gräulichen Konfektions-Zwirn, die Streifen-Krawatte sitzt straff am Hals, starten sie die
Eroberung des Terrains. Zunächst mit leisen, katzenhaften Tritten, dann launisch beseelt,
ziehen sie wie Raubtiere ihre Kreise. Das Rollenspiel beginnt, jeder gegen jeden. Man(n) beschnuppert
sich misstrauisch und greift an.
Nervöse Harmonie
Das wäre ein ziemlich trüber Männerwelt-Abklatsch, aber die Theater-Macher
(Philip Mackenzie und Nic Murcott) wollen mit "Sweatlodge" kein fades Emanzen-Futter servieren.
Die bissig-bittere Ironie führt zu ersten Lachern, als sich die Jungs linkisch-keck als
Laufsteg-Diven präsentieren - Bauch rein, Schultern zurück - und mit den Hüften
wackeln. Dazu dröhnt die Musik (Komposition: Simon Thorne): mal neckt der "Goldfinger", mal
scheint das "Boot" mit glucksenden Doldinger-Klängen aufzutauchen, mal stampfen Disco-Bässe,
mal swingt's im Dreivierteltakt. Und siehe da, jene Männer, junge wie ältere, die sich
eben noch grob attackierten, berühren sich neugierig, taumeln in einen skurrilen Tanz á deux,
dessen nervöse Harmonie beunruhigt.
Wundersame (Männer-)Welt, in der die Rituale des Gegeneinander einem ein kühles Häme-
Lächeln abringen, kleinste Gesten der Sympathie hingegen das Gewohnte bedrohlich auszuhebeln
scheinen. Tanztheater als Analyse und Demonstration - spannend. ROLAND SCHMIDT
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